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7. Februar 2004

Nun ist es endlich soweit!

Mein Geburtstag ist schon seit 2 1/2 Wochen vorbei und heute fahren wir zum Züchter und holen mein "Geschenk". Einen kleinen Wellensittich.

Felix soll er heißen, das steht schon fest.

Mein Wuschname war das nicht gerade, hört sich für mich mehr nach Katze an ehrlich gesagt. Mein Freund allerdings nannte ihn jedesmal, wenn wir über das kleine Kerlchen sprachen Felix also soll er den Namen nun auch bekommen.

Als wir beim Züchter klingeln besteht kein Zweifel, dass wir an der richtigen Adresse sind. Lautes Gezwitscher dringt durch die Tür und eine freudige Aufregung macht sich bei uns breit, was uns dort wohl für ein Felix erwarten wird.

Nun stehen wir vor drei kleinen Käfigen voller Wellis, die angeblich alle 6 Wochen alt sein sollen. Ich bin kein Spezialist, aber selbst ich mit meinem bescheidenen Wissen erkenne, dass einige der Tiere bereits erwachsen sind. Unter anderem auch ein sehr schöner Gelber, den ich gerne genommen hätte.

Also beschränken wir unsere Auswahl auf die Tiere bei denen noch die eindeutigen Anzeichen für einen Jungvogel erkennbar sind: große Knopfaugen ohne weiße Irisringe und ein Wellenmuster, das noch beinahe bis zum Schnabel vorreicht.

Wir schauen uns die kleinen Geschöpfe, die wenn wir dem Käfig zu nahe kommen, eine zurückweichende Schräglage in Richtung Wand einnehmen, ziemlich lange ratlos an. Wie soll man sich nur entscheiden? Auch mein Freund, der zuvor stets betonte er würde Felix sofort erkennen, hat seine Schwierigkeiten.

Da wir vorerst ein Männchen nehmen wollen, ist die Auswahl begrenzt. Nach langem Zaudern enscheiden wir uns für einen lila gefärbten Vogel. Als wir ihn der Züchterin zeigen, meinte sie es wäre ein Weibchen. Also wieder beratschlagen. Da wir die Dame nicht zu lange warten lassen wollen, zeigen wir auf einen Blauen.

Nachdem sie ihn aus dem großen Geflatter, welches im Käfig einsetzt als sie ihre Hände hinein steckt, heraus gefangen hat schaut sie ihn kurz an und stellt fest, dass es auch ein Weibchen ist. Grrrnpf .... Es sind zwei Blaue drin, also hat sie warscheinlich nur den falschen geschnappt. Was soll´s

"Dies ist ein Männchen," sagt sie "der Türkise".

"Gut, dann nehmen wir den"

Ist uns inzwischen schon ziemlich gleich, denn jeder der uns gefiel war entweder ein Weibchen oder offensichtlich schon älter.

Sie fängt also den Türkisen und notiert seine Ringnummer und unsere Adresse. Setzt ihn in einen kleinen Karton und schwatzt uns noch eine Tüte mit Futter auf, das angeblich viel besser für einen solch jungen Vogel sein soll als im Laden gekauftes.

Nachdem wir uns in dem kleinen Raum, in dem neben den Wellensittichkäfigen noch ein Käfig mit zwei Nymphen- und einem Ziegensittich steht etwas umgesehen haben, bemerken wir, dass hier anscheinenend alles zu verkaufen ist. Nicht nur jede Menge Käfige und anderes Vogelzubehör, sondern auch auf einem Schild ausgewiesene Siamkatzen und etliche andere Dinge, wie Taschen, Staubsauger usw. werden auf Pappschildern zum Kauf angepriesen.

Wir wechseln einen stirnrunzelnden Blick, verabschieden uns und entschwinden schnell diesem Garagenflohmarkt mit z.T. lebender Ware.

Als wir im Auto sitzen halte ich vorsichtig die Schachtel auf meinem Schoß. Sie wiegt fast nichts, und würde ich nicht ab und an spüren, wie zwei Vogelfüße über den Kartonboden tippeln, würde ich meinen sie ist leer.

Zuhause angekommen schneiden wir ein kleines Schlupfloch in die Kartonseite und halten ihn an die Käfigtür. Sobald der erste Lichtstrahl in den Karton dringt kommt unser Felix auch schon heraus geflattert. Kurz hängt er an der gegenüberliegenden Käfigseite und steigt dann auf das Leiterchen um. Dort verharrt er die nächsten 6 Stunden regungslos und wir fragen uns bereits ob er sich jemals bewegen wird.
Jedenfalls haben wir so die Gelegeheit ihn ausgiebig zu betrachten.

Nachdem ich die Leiter von außen vorsichtig bewege springt er auf eine Stange. Einige Zeit später hüpft er im Käfig herum, und springt in das Badehäuschen. Nicht um zu baden, sondern um durch das durchsichtige Dach zu entkommen nehme ich an.



8. Februar 2004

Als ich am zweiten Tag in den Käfig greife, um das Futter zu erneuern, mache ich mich schon auf panisches Geflatter gefasst, aber nichts dergleichen. Er beobachtet meine Hand skeptisch, bleibt jedoch still sitzen. Sehr vorsichtig nähere ich mich mit dem Finger seinem Fuß und kann ihn tatsächlich streicheln. Um ihn an die Hand zu gewöhnen mache ich dies nun mehrfach täglich und kann ihn auch bald am Bauch und der Seite kraulen. Immer wieder halte ich einen Finger vor seinen Bauch und fordere ihn mit sanftem Schieben zum Aufsteigen auf. Erst will er nicht und krallt sich an seiner Stange fest. Nach einiger Zeit steigt er auf und springt sofort wieder ab, doch bald bleibt er immer länger auf dem Finger sitzen. Auch gibt er heute ein paar erste zaghafte Tönchen von sich.

Unser Käfig hat Futternäpfe, die von außen, vor im Gitter vorgesehenen Öffnungen, eingehängt werden. Felix scheint sowas nicht zu kennen, also stelle ich ihm etwas Futter in einem kleinen Schälchen auf den Boden und dort traut er sich heute auch zu ersten Mal zu fressen.

Am Abend jagt er uns einen ziemlichen Schrecken ein.

Im Bestreben, seinen Käfig zu verlassen, quetscht er sich in einen der durchsichtigen Futternäpfe, die meiner Meinung nach viel zu groß sind, wenn man bedenkt, dass so ein Vogel nur etwa einen gehäuften Teelöffel Futter am Tag bekommen soll.

Da sie wie gesagt aus durchsichtigem Plastik bestehen denkt er anscheinend, dies wäre ein Ausgang und steckt plötzlich im Futternapf fest und kann sich nicht drehen und wenden weil es zu eng und auch zu glatt darin ist. Rasch heben wir den Deckel an und er schlüpft in den Käfig zurück.

Ich hoffte, dass dies ein heilsamer Schock für ihn war und er es nicht wieder tun würde, doch wenige Minuten später wiederholt sich das Spiel. Nach dem wir einige vergebliche Versuche unternehmen, den Napf mit Sand so zu füllen, dass er nicht mehr hinein passen kann und er dann statt dessen mit dem Kopf derart heftig gegen die Abdeckung drückt, dass wir Angst haben er würde sie aufdrücken und aus möglicherweise geöffneten Fenstern entschwinden, entfernen wir die blöden Näpfe und verbarrikadieren die Öffnungen.



14. Februar 2004

Eine Woche ist nun vergangen, und Felix hat sich recht gut eingelebt. Es steigt nun zuverlässig auf ihm vorgehaltene Finger und ich denke man kann es wagen, ihm seinen ersten Freiflug zu gewähren.

Mein Freund ist noch skeptisch, doch ich habe in den letzten Tagen alle Schrankritzen abgedichtet, zusätzliche, provisorische Gardinen über den Scheibengardinen angebracht, damit es keine Zusammenstöße mit den Scheiben gibt und auch Vasen und Gießkanne sind entfernt.

Als ich das Käfigtürchen öffne und auch das Badehäuschen an der Seite abnehme, so dass er einen zweiten Ausgang hat, geschieht zuerst nichts, doch als ich einen Moment nicht aufpasse kommt der Kleine tatsächlich durch den Notausgang (Seitliche Offnung für das Badehäuschen) heraus gehuscht.

Einige Runden fliegt er im Zimmer herum und sucht nach einem Landeplatz. Ich wundere mich, wie ausdauernd er fliegen kann, obwohl er doch warscheinlich nie zuvor die Gelegenheit dazu hatte. Nach einer Weile landet er unbeholfen auf dem Regal und schaut sich im Raum um.





29. März 2004

Heute bekommt Felix Gesellschaft.

Bei einem anderen Züchter wollen wir ein Weibchen holen. Ein Bekannter hat uns die Straße genannt, in der er wohnen soll. Und sobald wir das Auto verlassen führt uns ein unverkennbares Gezwitscher zum richtigen Haus.

Diesmal gibt es keine kleinen Käfige sondern große Volieren. In zwei davon sitzen Standart Wellensittiche. Ich mag ihre bullige Kopfform nicht, bin aber doch so beeindrucht von ihnen, dass ich kaum dazu komme die kleinen Jungvögel in der anderen Voliere zu beobachten, um einen auszusuchen.

Mein Freund hat einen Grünen im Auge und der Züchter versucht ihn zu fangen. Da es aber drei Grüne gibt ist es schwierig den richtigen zu erwischen. Er fängt zwei und wir suchen einen mit einem leichten Blauschimmer im Grün aus.







Zuhause angekommen wollen wir das kleine
Weibchen, das nun Linda heißen soll, vorerst
in einen kleinen extra Käfig setzen, doch
nachdem Felix sofort darauf landet und sie
begrüßt beschließen wir sie doch in seinen
Käfig zu lassen.








Sobald sie zusammen sind, geht Felix mit sanftem
Kopfnicken und Zwitschern auf sie zu und Linda - hackt.


Entgeistert und ratlos schaut er sie an und weiß nicht
wie er sich verhalten soll. Nachdem er mehrmals ihren
Schnabel zu spüren bekommen hat gibt er auf und
beachtet sie nicht mehr.





Ich glaube, er nimmt nur dann wahr, dass sie wirklich „echt“ ist, wenn sie sich bewegt. Doch das tut sie anfangs kaum. Erst als sie nach einer Weile an ihrem Ring, den sie erst vor wenigen Stunden angelegt bekam, zu knabbern beginnt fühlt er sich animiert, das Selbe zu tun. Natürlich ist Linda „not amused“ und pickt abermals heftig auf ihn ein.



30. März 2004

Hacken am Morgen, Hacken am Abend, Hacken am Futternäpf.

Am ersten Tag nach ihrem Einzug sucht Linda sich ausgerechnet Felix` Stammplatz als Schlafecke aus. Er versucht sie wegzudrängeln und über Umwege an das begehrte Plätzchen zu gelangen, doch vergeblich. Wilde Beißereien sind das Ergebnis und als es zu dunkel wird nimmt er traurig auf einer anderen Stange Platz und hadert mit seinem Schicksal.



Ihr äußerst uncharmantes Wesen bring Linda schnell den Beinamen „Godzilla“ ein.



10.April 2004

Godzilla wird zärtlich!

Ganz unverhofft fangen Linda und Felix heute das erste Mal an zu schmusen. Zart wird sich beschnäbelt und Linda krault ihrem Gefährten zu unserer Überraschung ausgiebig das Kehlgefieder.

Zwar schmeißt sie ihn noch immer von seinem Schlafplatz – und „schmeißen“ ist in diesem Fall wörtlich gemeint – doch sie verstehen sich insgesamt wesentlich besser.




3. Mai 2004

Eigentlich nicht geplant kommt heute noch ein Neuer zu uns.

In seinem bisherigen Heim konnte sich niemand mehr richtig um ihn kümmern und als sein langjähriger Partner verstarb wurde er bedenklich ruhig und lustlos.

Vor einigen Jahren wurde er auf der Straße von der Tochter meines Schwagers „aufgelesen“. Aus diesem Grund und da er von ihr keinen Namen bekommen hatte nennen wir ihn Clochard. Ich finde der Name passt ausgezeichnet zu ihm und ist in keiner Weise abwertend gemeint.

Da er warscheinlich ein Halbstandart ist hat er ein etwas gewöhnungsbedürftiges Aussehen und ist auch etwas größer, weswegen wir erst Bedenken hatten, wie er mit unseren Kleinen umgehen wird. Doch nach den ersten Begegnungen mußten wir feststellen, dass diese unbegründet waren.
Der Clochard ist scheu und zurückhaltend und läßt sich selbst von Felix dem dünnen Rippchen durch die Bude jagen.
Linda die untreue Tomate scheint ihm gleich sehr zugetan zu sein.




13. März 2006

Und noch ein Neuer!

Heute ist Tilly bei uns eingezogen.
Wir wollten ein zweites Weibchen, damit auch der Clochard Gesellschaft hat. Tja, leider stellte sich Tilly doch als Männchen heraus.
Auch mit der Gesellschaft für den Clochard war es nichts denn Tilly war von der ersten Sekunde an in Felix verliebt und und folgte ihm überall hin.
Felix war anfangs mehr als irritiert und versuchte zu entkommen, hatte aber keine Chance, seinem Stalker zu entgehen.



24. Februar 2007

Auch Tilly ist nun schon fast ein Jahr bei uns, und Felix und er sind die besten Freunde geworden. Sie fliegen viel gemeinsam durch das Zimmer, und kraulen sich gegenseitig.
Tilly ist einfach ein entzückendes Geschöpf und wir haben schon viel über ihn gelacht.
Er kommt auf die Hand, jedoch nur wenn es dort etwas zu futtern gibt. Auch der Clochard hat nun zwischenzeitlich Phasen, wo er auf der Hand Hirse futtert. Doch die meiste Zeit ist er scheu, ebenso wie Linda, die mit Menschen nichts zu tun haben will.



11. März 2007

Ein trauriger Tag.
Heute in der Früh ist Felix gestorben.
Er war noch am Tag zuvor ganz normal, doch heute Nacht ging es ihm plötzlich sehr schlecht. Es war furchtbar zu sehen, wie er immer schwächer wurde.
Als er schließlich keine Kraft mehr hatte sich auf der Stange zu halten und herunter fiel dauerte es nur noch wenige Minuten, fast nur Sekunden, und er war tot.

Ich hätte damit gerechnet, das Linda stirbt, weil sie einfach viel zu dick ist. Ich hätte damit gerechnet, dass der Clochard stirbt, weil er schon älter ist. Ich hätte sogar damit gerechnet, dass Tilly stirbt, weil er, seit er zu uns kam, immer mal wieder kranke Phasen hatte, in denen es ihm über einige Stunden sehr schlecht ging. Aber Felix? Nein! Er war immer so lebhaft und man hat ihm kein Leiden angemerkt.
Es war abzusehen, dass mit seiner Leber etwas nicht in Ordnung war, denn Schnabel und Krallen wuchsen in letzter Zeit verstärkt, doch hätte man nicht gedacht, dass dies so schnell und plötzlich sein Leben beenden könnte.

Ein großer Verlust für seine Freunde, die nun ohne ihn auskommen müssen.
Linda ist sehr verunsichert und folgt nun dem Clochard wenn er wegfliegt. Der Clochard macht einen sehr zufriedenen Eindruck mit der Situation, hat er doch nun keinen mehr, der über ihm steht.
Schlimm ist es aber für Tilly. Er hat seinen Partner verloren, zu dem er eine sehr innige Beziehung hatte. Die anderen beiden kommen ihn charakterlich nicht im geringsten gleich denn sie sind viel ruhiger als er und weniger unternehmungslustig.

Unglaublich, wie sehr man an so einem kleinen Tier hängen kann und wie sehr ein so plötzlicher Tod einen zum Nachdenken bringt....



1. Juni 2007

Heute hat auch der Clochard uns im Alter von 6 Jahren verlassen.
Es ist so traurig, hatte er doch gerade in Trudchen, eine kleine Freundin gefunden, die ihm mehrmals täglich ausdauernd das Gefieder kraulte und putzte.

Woran er genau gestorben ist weiß ich nicht. Er hatte eine Weile Schnupfen und fing plötzlich an eine pumpende Atmung zu bekommen und saß geschwächt im Käfig, ohne sich noch herauszubewegen.
Beim Tierarzt bekam er ein Antibiotikum doch es nutzte nichts mehr.

Ich bin sehr trauig, viel trauriger als ich es mir vorgestellt hätte, denn ich dachte immer er bedeutet mir nicht so viel wie Felix es tat.
Aber mit seiner kauzigen Art und dem komischen Aussehen war er mir doch inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Vor allem auch weil er als ganz scheuer Vogel zu uns kam und mit der Zeit merklich zutraulicher wurde, nach zwei Jahren sogar noch für etwas Hirse bei uns auf die Hand kam.